Migräne, Migräne-Reihe

Umgang mit Migräne – was wirklich hilft | Migräne-Reihe Teil 2

mit Migräne umgehen
In diesem Blogpost zum Umgang mit Migräne werden Namen von Organisationen, Firmen und Seiten genannt – es handelt sich um unbezahlte und nicht beauftragte Werbung.

Nachdem sich der erste Teil meiner Blogreihe zum Thema Migräne damit beschäftigt hat, was Migräne überhaupt ist, geht es heute um den Umgang mit Migräne. Wenn Du selbst Migräne hast, dann hast Du Dich mit Sicherheit auch bereits selbst auf die Reise begeben, danach zu suchen, was dagegen hilft. Ich für meinen Teil habe inzwischen das Gefühl, dass diese Reise endlos ist und dennoch halte ich sie für wichtig. Stehenbleiben, resignieren und sich hilflos ausgeliefert fühlen, ist definitiv der falsche Weg.

 

Vorab

Dieser Blogpost gründet auf verschiedenen Vorträgen, die ich im Migräne-Symposium der MigräneLiga – einer Patientenorganisation für Migräne – in Regensburg gehört habe und meinem eigenen über Jahre erlangten Wissen.

Wenn Du weißt, dass Du Migräne hast, halte ich einen Termin beim Neurologen für überaus wichtig! Denn er untersucht Dich neurologisch, um sicher zu gehen, dass die Migräne keine anderen Ursachen hat. Auch, wenn die üblichen Schmerzmittel nicht helfen und Du spezielle Präparate gegen Migräne brauchst, musst Du Dir diese verschreiben lassen. Das geht nur über den Besuch beim Arzt! Außerdem ist eine Begleitung bei der Einnahme von Schmerzmitteln sowieso sinnvoll. Wenn Du eine neurologische Untersuchung bereits hinter Dir hast und Du Dich bei keinem Arzt so richtig aufgehoben fühlst – ja, dieses Gefühl teile ich leider mit Dir – dann hilft Dir dieser wunderbare Post von Nina, wie Du den richtigen Arzt bei Migräne findest, vielleicht weiter.

 

Migräne Umgang

 

Akute Hilfe

Wenn die Migräne-Attacke da ist, geht bei den meisten Betroffenen nicht mehr viel außer der Rückzug in ein dunkles und ruhiges Zimmer. Solltest Du dann einfach einschlafen und nach ein paar Stunden schmerzfrei wieder aufwachen können, dann bist Du gesegnet – aber leider die Ausnahme. Wie in meinem letzten Blogpost erwähnt, wird die Migräne meist von unschönen Symptomen, wie Übelkeit und/ oder Erbrechen, begleitet. In diesen Situationen helfen Medikamente gegen die Übelkeit – bei diesen kann es sich z. B. auch um pflanzliche Tropfen handeln, wenn sie helfen.

Als Schmerzmittel können die „üblichen“ eingesetzt werden, doch diese helfen nicht immer. Dann kommt meist Triptan zum Einsatz, das speziell gegen Migräne (und auch nur gegen Migräne!) und ihre Begleiterscheinungen hilft. Triptan gibt es in verschiedenen Ausführungen, wie beispielsweise als normale Tablette, Schmelztablette, Nasenspray oder Spritze. Gerade, wenn Du zu Übelkeit neigst, sind Schmelztabletten oder Nasensprays oft eine gute Alternative.

Leider lässt es der Alltag häufig nicht zu, sich bei einer kommenden Migräne-Attacke direkt zurückzuziehen oder es kann wirklich gefährlich werden, wenn z. B. die Sprache ausfällt oder es zu Lähmungserscheinungen kommt. Deshalb ist es wichtig, dass Du die Anzeichen früh genug erkennst und rechtzeitig etwas gegen die kommende Attacke einnimmst. So kannst Du sie im besten Fall noch abfangen, bevor sie Dich komplett umhaut. Ich gehe inzwischen nicht mehr ohne Notfall-Tablette in der Handtasche aus dem Haus.

 

Tipps für die Akuttherapie:

  • Nimm die Tablette/n rechtzeitig!
    Es bringt nichts zu hoffen, dass die Migräne doch nicht kommt. Wenn Anzeichen da sind, kommt sie und wenn Du zu lange wartest, musst Du sie länger aushalten, bis die Tabletten wirken.
  • Dosiere die Tabletten hoch genug! 
    Gerade bei der Einnahme von „normalen“ Schmerzmitteln neigt man dazu, lieber erstmal „klein“ anzufangen. Dosiere die Tablette hoch genug, denn mehrere Schmerztabletten mit Abstand hintereinander zu nehmen, sind keine gute Lösung.
  • Kombiniere Schmerzmittel mit Substanzen gegen Übelkeit!
    Auch die Begleitsymptome sind nicht besonders schön und wenn Du Dich ständig übergeben musst, kommt Dein Körper noch weniger zur Ruhe bzw. das Medikament wird gar nicht aufgenommen.
  • Nimm nicht zu viele Medikamente! 
    Du solltest an nicht mehr als 8 Tagen pro Monat Tabletten nehmen müssen. Wenn Du damit nicht hinkommst, solltest Du dringend mit Deinem Arzt über eine zusätzliche Prophylaxe sprechen.

 

 

Langfristige Therapie

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die langfristig gegen Migräne helfen können. Ich habe darüber bereits einen Blogpost geschrieben, deshalb reiße ich das Thema nur noch einmal kurz an.

Neben Ausdauersport, gesunder Ernährung, einem regelmäßigen Schlaf- und Essenrhythmus sowie Entspannungsmethoden, gibt es eine Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln. So hat sich die hochdosierte Einnahme von Magnesium bewährt – oft auch in Kombination mit dem Co-Enzym Q10. Aber es gibt noch viele weitere, die Dir mit Sicherheit ein Arzt oder Heilpraktiker empfehlen kann.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Medikamente zur Prophylaxe einzunehmen. Dieser Weg sollte eingeschlagen werden, wenn die Migräne sehr häufig vorkommt. Bei diesen Medikamenten handelt es sich beispielsweise um Präparate, wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika, die eigentlich gegen andere Krankheiten eingesetzt werden, jedoch auch bei Migräne helfen können. Diese sind allerdings meist nicht ohne Nebenwirkungen.

Diese langfristigen Ansätze führen normalerweise nicht dazu, dass die Migräne komplett verschwindet. Die Zeit zwischen den Attacken wird jedoch oftmals verlängert und die Migräne-Attacken werden insgesamt weniger. Ich für meinen Teil versuche noch immer der medikamentösen Prophylaxe zu entkommen und zunächst alles andere zu versuchen…

 

Eine neue Methode zur Prophylaxe? 

Anfang des Jahres ging das Wort „Migräne-Spritze“ durch die Medien und ich glaube jeder Migräne-Patient, der es mitbekommen hat, dachte in der zweiten Hälfte von 2018 kommt das Wundermittel, das uns alle heilt.

Dr. Heinze von der Schmerzklinik Kiel hat das neue Medikament in Regensburg in einen Vortrag gepackt und ein wenig Aufklärung betrieben. Dieser Text orientiert sich an meinen Mitschrieben zu diesem Vortrag! Wie ich in meinem letzten Blogpost geschrieben habe, steht u. a. der Botenstoff CGRP im Verdacht, Migräne auszulösen. Ohne nun groß auf die Prozesse im Gehirn einzugehen: hier setzt die neue Prophylaxe-Methode an. Voraussichtlich kommt das Medikament im November auf den Markt, allerdings erstmal nur für eine bestimmte Personengruppe, die gewisse Voraussetzungen hat. So müssen beispielsweise eine Reihe medikamentöser Standardvorbeugungen unwirksam gewesen sein und die Migräne mindestens 4 Mal im Monat auftreten. Das Medikament wird tatsächlich als monatliche Spritze verfügbar sein und wirkt laut momentaner Studien bei fast 50% der Migräne-Patienten langfristig ohne Nebenwirkungen. Auch sie verringert jedoch lediglich die Zahl der Migräne-Tage. Ob und wann diese Methode zur Prophylaxe für weitere Migränepatienten mit anderen Voraussetzungen verfügbar ist, wird sich noch herausstellen. Für mehr Informationen kann Dir ab November bestimmt (hoffentlich) Dein Arzt weiterhelfen.

 

 

Sei Dir selbst am nächsten

Wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es das Thema Selbstfürsorge. Dazu werde ich einen separaten Post schreiben, weil es ein riesiges Thema ist, aber trotzdem auch an dieser Stelle: Selbstfürsorge ist gerade für uns Migräne-Patienten unfassbar wichtig, denn wir wissen selbst am besten, wie es uns geht. Ich war nicht nur bei unfassbar vielen Ärzten, sondern auch bei Heilpraktikern, traditionell chinesischen Medizinern und Schmerztherapeuten. Ein Großteil der Behandlungskosten musste ich selbst tragen und helfen konnte mir bisher keiner so richtig. Ich habe sehr viel gelesen – von Foren über Studien bis hin zu Fachzeitschriften. Ich weiß inzwischen wohl mehr über Migräne, als über sämtliche Schwerpunkte meines Studiums. Denn ich trage die Verantwortung für mein Leben und so viele Ärzte kennen sich zu wenig mit Migräne aus – aber trotzdem brauche ich sie, um gewisse Dinge abzuklären.

 

 

Tipps für mehr Selbstfürsorge

Du weißt am besten, wie es Dir geht! Die Migräne hast Du und sie wird so schnell nicht gehen – deshalb lerne sie anzunehmen. Ja, auch ich bin gerade in diesem Prozess und nein, er ist nicht leicht. Die Annahme ist schwierig, aber es wird leichter. Lerne zusätzlich auf Deinen Körper zu hören und höre hin, wenn er Ruhe braucht. Schule Dich in Achtsamkeit und Entspannung, so kannst Du Migräne-Attacken nicht nur vorbeugen, sondern auch die ersten Anzeichen sehen. Wenn eine Attacke kommt, dann versuche sie abzufangen! Schaffst Du es nicht mehr, dann gönne Dir die Ruhe nach der Dein Körper schreit.

Außerdem eines der allerwichtigsten Dinge: Du darfst Dich an die erste Stelle setzen! Sei achtsam mit Dir und gönne Dir Zeit für Dich alleine. Nicht nur während einer Migräne-Attacke, sondern auch im Alltag.

Ein letzter Tipp… Versuche auf Durchzug zu schalten, wenn andere blöde Kommentare abgeben – es kann niemand das Leid und die Schmerzen nachempfinden, die wir Betroffenen aushalten müssen. Halte Dir das vor Augen!

 

Es ist schön, dass es Dich gibt – danke, fürs Lesen meines wohl längsten Blogposts!

 

P.S. Für mehr Achtsamkeit und Entspannung höre gerne meinen Podcast „Alltagspause“ – wann und wo Du willst!

 


Weiter in der Migräne-Reihe:

Teil 3: Wie gut kann Entspannung bei Migräne helfen?

 


Ergänzende Literatur:

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V.: Medikamente gegen Migräne. Verfügbar unter: http://www.dmkg.de/patienten/medikamente/medikamente-gegen-migraene.html


Alle Angaben ohne Gewähr.